AGES ist ein Akronym für Attention – Generation – Emotion – Spacing und beschreibt vier wesentliche Voraussetzungen für optimales Lernen im Berufsalltag, die sich aus dem aktuellen Stand der Neurowissenschaften ergeben (Davachi et al. (2010)):

Attention (Aufmerksamkeit)

Wir brauchen ungeteilte Aufmerksamkeit. Nichts bringt unser Gehirn mehr vom Lernpfad ab als Ablenkungen und Störungen aller Art. Egal ob im echten Leben (Meetings, Mails, Telefonate…) oder virtuell (Links, Werbung, Informationsüberflutung…). Und so richtig aufmerksam bleiben wir nur, wenn das, was wir lernen und wie wir lernen möglichst abwechslungsreich gestaltet ist. Aber eben nicht gleichzeitig, sondern immer schön eins nach dem anderen.

Generation (Erzeugung)

Wir müssen möglichst viele Anknüpfungspunkte für das Neuzulernende erzeugen, weil unser Gehirn sich auf Dauer nur Zusammenhänge merkt. Und dabei motiviert nichts so sehr wie der Zusammenhang mit der eigenen Person. Deswegen darauf achten, wo sich Anknüpfungspunkte zum bisherigen Wissen oder Können bieten oder was die Bedeutung des Neuen für die eigene Person ist.

Emotion (Gefühle)

Wir brauchen ein gutes Gefühl beim Lernen, denn unser Gehirn merkt sich Sachen umso besser, je emotionaler sie geprägt sind. Und weil es so tüchtig ist, merkt es sich die Emotion auch gleich mit, damit wir künftig wissen, was sich gut anfühlt und wovon wir lieber die Finger lassen sollten. Das heisst leider auch, dass wir uns den Druck, die Langeweile, die Prüfungsangst von einem nicht so optimalen Lernsetting mitmerken und das Gelernte dann nicht mehr freudig und kreativ anwenden können. Weil die Gefühle eben bei der Anwendung mit auftauchen. Also: je netter die Lernatmosphäre und je enspannter wir selbst beim Lernen, umso leichter können wir das Gelernte in Zukunft dann auch nutzen.

Spacing (Abstand)

Lernen braucht Abstand. Und was langfristig gelernt werden soll, braucht größeren Abstand bei der Aufnahme von Lerninhalten. Zwar sind wir aus Schule und Studium (unsere eingeprägten Lernsituationen!) Pauken vor der Prüfung gewöhnt, aber eben auch das Vergessen am Tag danach. Unser Gehirn bevorzugt ein Wissenmahl mit kleinen Lernhappen – gern über mehrere Tage verteilt. Und ja, wir vergessen unterwegs, aber genau das ist der Trick: Unser Gehirn muss sich aktiv wieder erinnern, was es vor einiger Zeit gelernt hatte und verfestigt somit das Gelernte.

Quellen & Inspiration

Quelle: Davachi, L., Kiefer, T., Rock, D. Rock, L. (2010). Learning that lasts through AGES Neuroleadership Journal, Issue 3/2010, 53 – 63

Dieser Blogartikel ist zuerst auf www.learnical.com erschienen (27. Juli 2012) – Version 1.1.

Foto: ‚everything’s possible‘ von Pippilotta* / photocase.de