Eine gute Lerntechnologie ist wie ein Toaster, den man ans Internet anschließen kann? Auf Süddeutsche Online habe ich heute einen Artikel von einem Designer gelesen, der genau diese Idee in die Tat umgesetzt hat.

Er hat einen Toaster entworfen, den man ans Internet anschließen kann und sich bei Bedarf den Wetterbericht auf sein Toastbrot drucken oder das Logo von seinem Lieblingsfussballverein und vielleicht sogar, wenn man es weiterspinnt Beiträge aus der Wikipedia. Ich habe keine Ahnung. Aktuelles Wissen zum Frühstück serviert – vielleicht mit ein bisschen Schokocreme drauf?

Sinnlose Idee oder gute Lerntechnologie?

So abgefahren ist die Idee eigentlich gar nicht. Vor 15 Jahren als ich noch studiert habe, und in einer WG mit drei anderen Meeresphysik-Studenten gewohnt habe, haben wir genauso was gemacht. Täglich. Uns überlegt, wie wir z.B. die Klospülung mit der Kaffeemaschine koppeln können oder damals noch revolutionär neue Technologie den Handscanner, den einer meiner Mitbewohner aus Amerika mitgebracht hatte mit unserem Kühlschrank verbinden, sodass wir immer up-to-date sind welche Getränke noch kalt stehen…

Sinnlose Ideen? Vielleicht… Das Spannende daran ist, dass wir eigentlich nur rumgespielt haben, und dabei eine Menge Sachen gelernt, die wir später im Berufsleben viel mehr brauchen konnten als all die Gleichungen und Formeln aus unseren Büchern. Wir haben Tüfteln gelernt, wir haben Ideen, Wege ausprobieren gelernt, Fehler gemacht, analysiert, wo wir stehen, Konzepte gebildet, um den anderen unsere Ideen zu erklären… ja, das könnte so funktionieren, nein lass es uns so machen, nochmal testen, ach, das ist doch Unfug, ich glaube, das geht so. Wir haben uns Nächte um die Ohren geschlagen, ohne eine Sekunde darüber nachzudenken, dass das gerade „Lernen“ sein könnte…

Die Lerntechnologie, also das Verfahren mit dem gelernt wird, war unser Spiel – die Technik, die gerade im Hause war, unser wissenschaftlicher Forschungsgeist und ein paar krude Ideen, die das damals noch junge Internet uns durchs Kabel getragen hat.

Lerntechnologie im Unternehmen

Und genau das muss Lerntechnologie auch im Unternehmen leisten. Gerade, wenn ich mich im beruflichen Umfeld bewege und die Zeit fürs Experimentieren und ja, Spielen!, vermutlich knapp bemessen ist. Das eine Lerntechnologie Wissen speichert und schnell wieder zur Verfügung stellt, geschenkt, dafür ist die Wikipedia eins der besten Beispiele. Entscheidend ist, dass das Wissen lebendig wird, dass ich mit dem Wissen auch was anfangen kann, dass das Wissen in der echten Welt eine Ausprägung findet und sich mein Verhalten verändert, meine Fähigkeiten verändern, meine Kompetenzen erweitern. Ich Dinge bauen, entwickeln, entstehen lassen kann, die ich ohne dieses Wissen gar nicht hätte machen können.

Unsere Gehirn braucht Spiel wie einen Dünger, schreiben Stuart Brown und Christopher Vaughan in ihrem Buch „Play: How it Shapes the Brain, Opens the Imagination, and Invigorates the Soul“. Und sie haben eine simple Theorie dazu:  Die Natur, schreiben sie, hat sich das Spiel „ausgedacht“, damit sich das komplexe Gehirn des Menschen überhaupt aus sich selbst heraus entwickeln kann, seine Strukturen sich möglichst optimal vernetzen und damit eine hohe Anpassungsfähigkeit an die Umwelt ermöglichen. Spiel ist üben, was wir später brauchen. Es gibt in ihrer Forschung sogar Hinweise, dass das was wir erreichen im Leben und was uns wirklich ausfüllt, immer im Zusammenhang mit einem spielerischen Zugang steht.

Hm… ich glaube, ich habe noch eine Verabredung mit meinem Toaster heute. Und dem Internet.

Dieser Blogartikel ist zuerst auf www.learnical.com erschienen (4. Dezember 2012) – Version 1.1.

Foto: CC BY-SA 2.0 John Bell / flickr.com

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