Ich lerne seit ein paar Monaten Norwegisch und beobachte immer mal wieder professionell – neugierig, was mein Gehirn dabei so macht.

Ein kleines Experiment

Eigentlich war es nur ein kleines Experiment. Im Februar hatte ich ein paar Tage in Tromsø verbracht, um dort Polarlichter zu sehen und zu fotografieren. Das ist eine ziemlich ungewohnte (und kalte Art) den Urlaub zu verbringen: Man bummelt tagsüber im Wesentlichen vor sich hin und wartet darauf dass es dunkel wird. Dann zieht man sich sehr (!) warm an, setzt sich in einen Leihwagen (vorzugsweise mit Spikes und Motorheizung…) und fährt in die tiefe Dunkelheit des Nordens bis man einen „Spot“ erreicht hat. Das ist ein Ort, irgendwo in der Wildnis, der besonders dunkel ist und landschaftlich besonders schön aufblitzen kann, wenn das Licht dann kommt. Um ihn zu erreichen stapft man in aller Regel durch meterhohen Schnee und wartet dann ein paar Stunden an einem zugigen Fjord mit 10 oder 20 Menschen aus der ganzen Welt, die aus dem Nichts auftauchen, erkennbar nur an den kleinen roten LEDs ihrer High-Tech-Kameras. Man friert gemeinsam, tauscht Belichtungszeiten und Lebensweisheiten aus und plötzlich tupft jemand von außen helles grünes Licht auf den Himmel. Magisch…

Zurück zum Experiment: Um mich abends wachzuhalten, hatte ich mir nach zwei Tagen überlegt, dass Norwegisch lernen mit „irgendsoeiner App“ im Überall-Schnelles-Internet-Land Norwegen doch lustig sein könnte. Gedacht getan, zum Spaß Babbel runtergeladen und einfach angefangen.

Seitdem bin ich am Haken. Mein Gehirn braucht seine tägliche Dosis Vokabeln samt „Das war perfekt!“-Pling wie seinen Kaffee zum Aufwachen.

Mein gutes Gefühl motiviert.

Am spannendsten finde ich tatsächlich, welche Rolle „das Gefühl dabei“ für meine Motivation spielt. Ich habe meine Ferien als Kind oft in Skandinavien verbracht und als Teenager wirklich gern Sprachen gelernt. Norwegisch zu lernen verbindet mich sofort mit diesen beiden guten Gefühlen. Und das motiviert ungemein.

Die hellen Nächte, der Geruch in der Wohnung meiner Tante in Stockholm, der Geschmack von Daim im Mund, das Meeresrauschen während der Überfahrt auf der großen Fähre.

Und später: Die  Freude, sich in einer anderen Sprache ausdrücken zu können, wie sie sich auf der Zunge und im Kehlkopf anfühlt, die Neugier auf andere Kulturen, die Vorfreude „dort“ bald wieder hinfahren zu können und mit den Menschen in ihrer Sprache zu sprechen. Das Gefühl, das sich langsam für den Rhythmus und die Melodie entwickelt. Und, die Meeresphysikerin lässt grüßen, dieser Spaß am Muster erkennen 🙂

Spacing als Schlüssel zum Erfolg

Dazu hat Babbel eine Reihe von Ideen aus der Lernforschung nahezu perfekt implementiert:

  • Die App ist graphisch sehr reduziert gestaltet und fokussiert die Aufmerksamkeit auf die neue Vokabel und ihren Sinnzusammenhang. Die Lektionen sind sehr kurz, die Übungen darin wechseln immer wieder. Es gibt sofort Feedback.
  • Neue Vokabeln werden in Sätze eingebettet, die auch täglich in meinem Alltag stattfinden könnten und mit Fotos von Menschen und Szenen verbunden, mit denen ich mich leicht emotional verbinde.
  • Im Hintergrund speichert das System, wann ich welche Vokabel gelernt habe und welche Vokabeln ich leicht wieder vergesse. Diese Vokabeln werden mir zu unterschiedlichen Zeiten zur Auffrischung neu angeboten. Spacing vom Feinsten!

Ergänzend habe ich mir einen kleinen „Kulturraum“ importiert: Mein Smartphone spricht jetzt Norwegisch mit mir (was mal abgesehen vom Navi eher unproblematisch ist…), ich höre norwegisches Radio, folge ein paar norwegischen twitter-Accounts und habe mir ein paar einfache Bücher zugelegt.

Und finde es unglaublich, wie mein Gehirn sich beobachtbar vom Kurzzeit- zum Langzeit- zum Improvisationsgedächtnis durchkämpft. Erst geht gar nichts. Dann geht manchmal. Oder vielleicht. Oder so ähnlich. Und dann geht einfach. Ohne Nachdenken. Es ist toll!

Empirische Erfolgskontrolle?

Aber funktioniert es wirklich? Kann ich irgendwie rausfinden – so ganz ohne Lehrer_in, ob ich das Richtige lerne? Und wenn nicht, wie müsste ich mein Experiment anpassen? Praktischerweise gibt es den „Europäische Referenzrahmen“, in dem für jede Sprache beobachtbare Lernziele formuliert sind. Demzufolge müsste ich die Grundlagen A1 und A2 mit Babbel erreicht haben und mich nun sehr langsam, aber sicher diesen beobachtbaren Kompetenzen nähern:

  • Kann die Hauptpunkte verstehen, wenn klare Standardsprache verwendet wird und wenn es um vertraute Dinge aus Arbeit, Schule, Freizeit usw. geht.
  • Kann die meisten Situationen bewältigen, denen man auf Reisen im Sprachgebiet begegnet.
  • Kann sich einfach und zusammenhängend über vertraute Themen und persönliche Interessengebiete äußern.
  • Kann über Erfahrungen und Ereignisse berichten, Träume, Hoffnungen und Ziele beschreiben und zu Plänen und Ansichten kurze Begründungen oder Erklärungen geben.

Es funktioniert!

Also habe ich Babbel und mich nach 3 Monaten einem kleinen Test unterzogen und bin für ein paar Tage nach Oslo gefahren. Hier ist das Ergebnis:

  • Ich habe Bücher in einer Buchhandlung gekauft und mich vom Buchhändler auf Norwegisch zu meinen Interessen beraten lassen (und kämpfe mich gerade durch das Buch…)
  • Ich habe veganes und glutenfreies Essen bestellt, ein Buchungshinundher im Hotel bewältigt, nach dem Weg gefragt und den Wetterbericht gesehen (und verstanden…).
  • Ich habe jemanden auf Norwegisch erklärt, weshalb ich Norwegisch lerne und was ich dadurch eines Tages zu tun gedenke (und Ihr dürft raten, was das ist…)

Für  mich hört sich das nach einem ersten Erfolg an und ich bin mal wieder beeindruckt, wie leicht es mit einem gut gemachten Lerndesign fällt, sich selbst etwas so komplexes wie eine fremde Sprache anzueignen. Und dafür am Tag bewusst nicht mehr als 10 oder 15 Minuten aufzuwenden. Chapeau Babbel!

Quellen & Inspiration

Ihr habt Ideen, Kommentare, Fragen dazu? Gern auf twitter: @learnical #lcnorsk

Dieser Blogartikel ist zuerst auf www.learnical.com erschienen (3. Juni 2015) – Version 1.1.

Foto: jangentsch.de