Inga Wittneben ist Expertin für Teams in Veränderungen. Sie berichtet hier von der Spielentwicklungsmaschine, die wir zusammen für das AugenhöheCamp 2016 gebaut haben. Danke, Inga!

Wir haben eine Spielentwicklungsmaschine für euch gebaut! Ihr könnt sie nutzen, um altbekannte Lernformate spielerisch-leicht zu brechen und dabei auch eure eigenen Denkmuster aufzumischen.

Wie das funktioniert? Das Geheimnis liegt wie bei jeder Maschine in der Mechanik. Unsere Maschine nutzt die „Spieltypen nach Bartle“, die auf die Erforschung von Spielverhalten in Multiplayer Online Games zurückgehen. Die Spielentwicklungsmaschine ist dadurch einfach zu bedienen und die Ergebnisse sind sogar interkulturell anwendbar. Und das Allerbeste: Mit ihr kann man auch gänzlich neue Lernformate entwickeln 😉

Nach Bartle (1996) gibt es vier Typen von Spielern: Killer, Achiever, Socializer und Explorer. Er klassifizierte sie nach ihrer Freude an Aktion / Interaktion im spielerischen Umfeld und nach ihrem Fokus auf Akteure / Umwelt im Spiel. Jeder Spielertyp hat damit einen anderen Fokus im Spiel, wird durch unterschiedliche Aspekte motiviert, am Spiel teilzunehmen und agiert mit den anderen Typen in mehr oder weniger starker Abhängigkeit. Auch Lernformate können so spannender und ansprechender gestaltet werden können.

Werft die Maschine an!

Die Maschine funktioniert am Besten, wenn sich mindestens vier Interessierte zusammen tun, denn die Mechanik baut auf den vier verschiedenen Spieler-Typen auf. Wenn es mehr Interessierte gibt, teilt euch in vier gleich große Gruppen auf. Schön wäre es, wenn ihr schon aufbereitetes Info-Material pro Spielertypen vorliegen habt oder sucht euch die Infos vor Ort raus (z.B. aus der Wikipedia).Spieltypen-Bartle_735x1024

1. Runde

Jede_r (Gruppe) versetzt sich in die Rolle eines Spielertypen nach Bartle. Stellt euch vor, ihr seid dieser Typ: Was sind eure Haupteigenschaften? Was motiviert euch? Was mögt ihr nicht? Was macht euch neugierig? Was tut ihr, um eure Ziele zu erreichen? Vor allem für die Killer könnte das schwer fallen. Lasst euch auf das Experiment ein, wir lernen bekanntermaßen ausserhalb der vertrauten „Denkpfade“ am Meisten 😉

2. Runde

Wenn ihr euren Typ verinnerlicht habt, stellt euch folgende Frage: Was tue ich als <Killer/Achiever/Socializer/Explorer>, um zu lernen? Jede_r von euch schreibt die Ideen auf sechs Karten mit je einem anderen Augenzahl. Am Ende sollte jede_r 6 verschiedene Karten zu seinem Spieltyp auf der Hand haben. Auf jeder Karte steht eine Aktivität, die derjenige Typ unternimmt, um zu lernen, z.B.

  • Killer: sucht Schwächen bei Mitlerner_innen, um diese im richtigen Moment angreifen zu können
  • Achiever: formuliert messbare Lernziele anhand eines Ranking/Punktvergabesystems
  • Socialiser: hört aufmerksam zu
  • Explorer: puzzelt verschiedene Teile zusammen
3. Runde

In dieser Runde finden sich alle vier verschiedenen Spielertypen zusammen, um Lernformate neu zu denken. Wenn ihr mehrere als 4 Personen seid, setzt sich je ein_e Vertreter_in pro Spielertyp an einen Tisch. So könnt ihr pro Tisch zu viert eure Ideen zusammen bringen.

Jede_r schreibt nun ein konkretes Lernvorhaben (z.B. Vortrag, Projekt-Roll-out, Führungskräftetraining o.ä.), das er/sie durch die Spielentwicklungsmaschine schicken will, verdeckt auf eine Karte. Das kann ein Thema sein, an dem Ihr gerade arbeitet, ein bestehendes Format, das aktualisiert werden soll oder auch eine Idee für ein neues Vorhaben. Alle Karten werden gemischt und dann verdeckt in einen Stapel auf der Mitte des Tischs gelegt.

4. Runde:

Hat jetzt jede_r von euch seine 6 Karten mit je einer Lernaktivität in der Hand? Liegt ein großes leeres Blatt Papier vor euch auf dem Tisch? Das Papier kann z.B. ein Flipchartbogen sein; es sollte auf jeden Fall genug Platz zum Schreiben und Skribbeln bieten. Liegen mindestens 4 Lernformate verdeckt in der Mitte des Tischs? Habt ihr einen 6er-Würfel zur Hand?

Wenn euch alle Materialen vorliegen, dann werft die Maschine an:

  • Zieht ein Lernformat vom Stapel und bittet um kurze Erläuterung.
  • Jetzt würfelt Ihr aus, was die Spieltypen sich von dem künftigen Format wünschen würden. Sucht die der Augenzahl entsprechende Karte aus und legt sie auf die Mitte des Tischs. Erläutert den anderen am Tisch kurz, was euer Spieltyp tun will.
  • Kombiniert jetzt die 4 Karten zu einer Spielidee für das gezogene Lernformat – denkt quer, denkt laut, malt, schreibt oder malt eure Ideen auf das Blatt Papier
  • Würfelt so lange bis Ihr Ideen zu allen Formaten auf dem Tisch aufgemalt habt.

Es wird etwas Pfiffiges dabei herauskommen, lasst euch überraschen. Viel Spaß beim Bedienen der Maschine und: Learn on 😉

Teile Deine Ideen, Gedanken und Fragen zu diesem Beitrag auf twitter mit uns: #lcspielen

Quellen & Inspiration

Bartle, R. (1996) Hearts, clubs, diamonds, spades: players who suit muds (zuletzt besucht am 20. Oktober 2015)

Dieser Blogartikel ist zuerst auf www.learnical.com erschienen (23. September 2015) – Version 1.1.

 

Zeichnungen: Inga Wittneben