Dr. Sönke Jansen ist Projektleiter beim schulhafen. Er hat im Herbst an unserem Praxistag „Your Brain on Play“ teilgenommen und berichtet heute als Gastblogger von seiner Arbeit beim schulhafen Hamburg. Der schulhafen bietet Menschen, die (fast) alles verloren haben, Zugang zu Bildung und den eigenen kreativen Fähigkeiten. Das Projekt ist ein hoffnungsort der Stadtmission Hamburg.

Vielen Dank, Sönke, dass Du Dir die Zeit für uns genommen hast. Wir freuen uns sehr über Deinen Beitrag!

schulhafen hamburg

Zunächst muss ich kurz erklären, was ich hier mache: Ich poste einen Beitrag über den schulhafen hamburg, weil ich mich bedanken möchte, dass ich an einem Learnical-Termin teilnehmen konnte.

Warum habe ich teilgenommen? Weil ich gespannt war, wie die Kombination von Spielen und Lernen in einem anderem Zusammenhang aussehen kann, weil ich neugierig bin, weil man immer etwas lernt, wenn man genau hinschaut und natürlich weil Julia und Lars so nett waren, mich einzuladen.

Bildungsprojekt für Wohnungslose

Meine Arbeit ist die mit Wohnungslosen. Nach einigen Jahren in der Bahnhofsmission organisiere ich jetzt für die hoffnungsorte hamburg den schulhafen, ein Bildungsprojekt für Wohnungslose. Hinter dem schulhafen steckt die Idee, in den Menschen, die in die Hilfseinrichtungen kommen, nicht nur diejenigen zu sehen, denen etwas fehlt, die einen Bedarf haben, sondern diejenigen, die etwas mitbringen.

Und von den Dingen, die mitgebracht werden, nehmen wir die Fähigkeiten und Erfahrungen, vor allem aber die Interessen und mittelfristigen Wünsche in den Blick. So kommt es, dass der schulhafen in verschiedenen Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe in Hamburg Kurse gibt.

Neben einem Computerkurs (Wie schreibe ich einen „offiziellen“ Brief? Wie recherchiere ich Informationen im Internet? Wie geht das mit dieser E-Mail?) und einem Kurs in Kochen und einfacher Hauswirtschaft sind es zur Zeit vorwiegend Sprachkurse in Deutsch. Denn das Bild des Wohnungslosen hat sich in den letzten Jahren stark gewandelt. Immer mehr Hilfesuchende sind aus dem Ausland – zum Teil Arbeitsmigranten, zum Teil Flüchtlinge mit und ohne Papiere. Und da Sprache und Bildung die Schlüssel sind, um an der eigenen Situation langfristig etwas zu ändern, setzen wir dort an.

Im Spiel kommen auch die Schüchternen zu Wort

Auch bei uns wird gespielt. Denn dass ein spielerisches Lernen mehr Freude bereitet als schlichtes Büffeln, das hatten wir auch schon entdeckt – und das gilt übrigens nicht nur für die „Schüler“. Aber durch das Spiel im Unterricht passiert noch mehr. Wenn der Zufall bestimmt, wer „an der Reihe“ ist, dann kommen auch die Schüchternen zu Wort und wenn ein Spiel gut ist, dann fördert es den Austausch untereinander und bringt die Mitspieler in Kontakt oder erfordert Kooperation.

Und dieser Kontakt ist Teil der „zweiten Agenda“ des schulhafen: In der Situation von Bedürftigen stehen Wohnungslose oft in Konkurrenz zueinander. Wer bekommt etwas ab von den immer begrenzten Ressourcen wie Unterkunft, Kleidung, warmes Essen, menschliche Zuwendung usw. Das führt auch auf der Straße zunehmend zu Gruppenbildung und zu Gruppen-Vorurteilen („Die Afrikaner wieder!“). Im Kleinen können wir in den Kursen beobachten und fördern, dass es auch anders geht – ja dass es sogar besser geht, wenn es anders geht.

Spiele spielen und … (sich) selbst entwickeln

Und was habe ich bei learnical gelernt?
Unter anderem, dass es viel Spaß macht, Spiele nicht nur zusammen zu spielen, sondern sie auch zusammen zu entwickeln. Ich habe den Plan mitgenommen, mit einem der weiter fortgeschrittenen Kurse ein Deutsch-Lernspiel selbst zu bauen oder ein vorhandenes Spiel auf die besondere Situation der Wohnungslosen hin umzugestalten. Zusammen mit den Teilnehmern und nicht „für sie“. Es berührt einen eben doch mehr, wenn das Spiel zur Situation passt: Als ich vor vielen Jahren das erste mal ehrenamtlich Spieleabende in einer Unterkunft für Wohnungslose anbot war das beliebteste Spiel ja auch immer Monopoly!

schulhafen unterstützen

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Wenn Ihr den schulhafen auch unterstützen möchtet, stellen wir gern den Kontakt zu Sönke her. Das Projekt braucht Menschen, die

  • Räume in Hamburg kostenfrei/kostengünstig zur Verfügung stellen,
  • eine Berufung haben, die sie an andere weitergeben möchten,
  • finanziell oder mit Sachmitteln unterstützen.

Weitere Infos zum Projekt findet Ihr hier:

Und Ihr dürft auch gern einfach so spenden:

Verein Stadtmission Hamburg
Evangelische Bank eG (BIC GENODEF1EK1)
IBAN DE27 5206 0410 0006 4070 48
Stichwort: »schulhafen«

Teilt Eure Ideen, Gedanken und Fragen zu diesem Beitrag auf twitter mit uns: #schulhafen

Dieser Blogartikel ist zuerst auf www.learnical.com erschienen (16. Dezember 2015) – Version 1.1.

Foto: Dr. Sönke Jansen